Auf dem Hof des Autohauses Graupner im Brandiser Gewerbegebiet West steht zwischen den nigelnagelneuen Audis und Volkswagen etwas verloren ein orangenes Krause-Duo. Einst als Fahrzeug für Menschen mit eingeschränkter Mobilität entwickelt, hat sich das DDR-Gefährt längst zu einem Kultobjekt gemausert. Drei Räder, etwas Karosserie und Plane, viel frische Luft, wenig Pferdestärken und der „Benzinduft“. So steht er da. Zwei aufgeregte Herren klettern aus dem etwas in die Jahre gekommenen Duo. Der eine ist Günter Taubert, Fahrschullehrer in Brandis und Eigentümer des historischen Stücks. Der andere ist Ingo Graupner, Geschäftsführer des Autohauses. Beide haben eine Neuigkeit zu verkünden, tänzeln etwas um die Entscheidung herum, wer das Wort ergreift. Taubert sagt schließlich: „Das ist ein einmaliges Fahrzeug, die Menschen interessieren sich dafür – der MDR war schon mehrmals bei mir. Ich hab’ ja ein paar davon.“ Graupner streicht sein Hemd glatt, richtet sich auf und sagt feierlich: „Deshalb haben wir uns dazu entschieden, die Produktion, die traditionell in Brandiser Hand lag, wieder aufzunehmen. Das Krause-Duo wird in Zukunft hier wieder hergestellt. Als modernes Elektromobil.“ Die Überraschung ist gelungen. Die Entscheidung sei eine Hommage an die guten alten Tage, ein Gewinn für Nostalgiker und junge „Retro-Liebhaber“.


Graupner und Taubert haben sich zusammengesetzt, überlegt, was das neue Krause-Duo können muss. Für das Design haben sie Studenten von der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, der HTWK,  mit ins Boot geholt. „Es soll unbedingt ein Elektromobil sein und wir wollen, dass es Modelle gibt, die wie Mopeds ab 16 Jahren gefahren werden können“, so Taubert. In seiner Fahrschule werde es ab dem Moment, da das erste Krause-Duo 2.0 vom Band geht, den Führerschein der Klasse B-el geben – extra für das Fahren von Elektromobilen.


Außerdem soll es den Ansprüchen der heutigen Zeit entsprechen. „Es wird Zusatzausstattung geben, zum Beispiel eine abnehmbare Gepäckaufbewahrung. Auch die wird stylish sein“, freut sich der 44-jährige Chef des Autohauses. Er hat am Donnerstag die Unterschrift zur Finanzierung der neuen Halle geleistet, ein Kran steht schon auf dem Gelände. „Ende des Jahres geht die Produktion schon los.“
Das Gefährt soll 50 bis 60 Kilometer pro Stunde fahren können. „Eine Drosselung bei 45 Kilometern pro Stunde ist für die Jugendlichen möglich“, ergänzt Taubert. Der schwere Akku, um das Duo 2.0 mit Strom zu versorgen gleiche  die negativen Fahreigenschaften aus, die für Probleme beim Original sorgten. „Die Kippneigung ist damit passé und es riecht auch nicht mehr so“, erklärt Graupner. Vier Kilowatt Leistung, LED-Scheinwerfer und eine wasserabweisende Kunstlederausstattung gehören standardmäßig dazu. „Bei den Farben haben wir uns für das Blau und Orange der Originale entschieden. Außerdem wollen wir Morroccan-Brown, Sweet-Vanilla und Raspberry-Red, also einen Braunton, einen Crémeton und eine rote Lackierung anbieten“, sagt Graupner stolz.


Einen Verantwortlichen für den Vertrieb hat man unterdessen auch schon gefunden. Azubi Sebastian Hilbert wird seine Ausbildung im Sommer beenden und wird dann den neuen Verantwortungsbereich übernehmen. Er war von Anfang an mit dabei, hat viele Ideen eingebracht und soll als Sprachrohr der jungen Generation für einen guten Absatz sorgen. „Dafür brauche ich aber die tatkräftige Unterstützung aller Kollegen, besonders der anderen Azubis“, betont der 20-Jährige.


Um diese Nachricht angemessen zu feiern, laden Ingo Graupner und seine Mitarbeiter heute von 10 bis 12 Uhr  in das Autohaus in der Gewerbeallee 2 in Brandis, um ausführlich über das Projekt zu informieren. Außerdem können die ersten Vorbestellungen für das Krause-Duo 2.0, das ab einem Preis von 5000 Euro zu haben sein soll, abgegeben werden. Dazu gibt es eine Ausstellung zur Geschichte des Fahrzeugbaus in Brandis sowie eine Probefahrtaktion mit dem e-Golf, um das Thema Elektromobilität abzurunden. „Wir freuen uns auf viele interessierte Besucher“, betont der Chef.